Tiroler Arbeiterzeitung

ZEITUNG FÜR ARBEIT UND KONSUMENTENSCHUTZ DER KAMMER FÜR ARBEITER UND ANGESTELLTE FÜR TIROL 11. JG. , OKTOBER 2019 | NR. 123 Österreichische Post AG | Postentgelt bar bezahlt | Verlagsort 6020 Innsbruck | RM 12A039146 K TIROLER ARBEITERZEITUNG D ie AK ist die unabhängige Interes- senvertretung für die Arbeitneh- merschaft. Gesetzliche Einrichtungen wie die Kammern, eine selbstver- waltete Sozialversicherung, freie und unabhängige Medien, Rechnungshof, Nationalbank, Statistik Austria oder NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen sind zentrale Elemente unserer Gesellschaft. Richtig verstan- dene Regierungspolitik bedeutet, den Dialog mit all diesen demokratischen Einrichtungen zu suchen. Das heißt, sich mit den Meinungen anderer Orga- nisationen und den Expertinnen und Experten auseinanderzusetzen. Nur so findet man vernünftige und nachhal- tige Lösungen. Die AK ist die Anwältin von knapp vier Millionen (!) arbeiten- den Menschen – und dieses Mandat nehmen wir sehr ernst. Wir sind täglich in Kontakt mit unseren Mitgliedern und wissen daher ganz genau, wie der Alltag der arbeitenden Menschen aussieht und mit welchen Problemen sie konfrontiert sind. Umso konkreter sind unsere politischen Forderungen für eine lebenswerte Zukunft. AK Präsident Erwin Zangerl Demokratie beginnt beim Dialog D ie nächste Bundesregie- rung muss sich wieder verstärkt um die Anlie- gen der Beschäftigten kümmern. Die Menschen spüren, dass der Druck auf sie immer grö- ßer wird. Die Arbeitsverdichtung nimmt zu, die beruflichen Anfor- derungen steigen, die Arbeitszeit wird entgrenzt. Damit steigt na- türlich auch der Druck im Privat- und Familienleben. Für die Arbei- terkammer ist deshalb klar: Die Beschäftigten haben Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen verdient. Das heißt: Die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen wieder auf Augenhöhe miteinzu- beziehen, für gute Arbeitsbedin- gungen und hohe Lebensqualität für alle zu sorgen, aber auch, die Beschäftigten bei der Bewältigung der Klimakrise mitzunehmen. Auf Erfolgsspur. Bestens ausgebildete Fachkräfte, weltweit anerkannte Produkte und Dienstleistungen, die soziale Sicherheit ein Vorbild: Diese Erfolge sind Ergebnis des rot-weiß-roten Wegs des sozialen Zusammenhalts, des Ausgleichs und des Dialogs. © Fotomanufaktur JL /stock.adobe.com Qualifizierungsgeld. Viele Men- schen müssen oder wollen beruflich neu starten, um ihre Chancen in der Arbeitswelt zu verbessern. Dafür brauchen sie die passende Ausbil- dung. Die derzeitigen öffentlichen Angebote reichen nicht aus. Die AK spricht sich daher für ein Recht auf Weiterbildung in Form des Qualifizierungsgeldes aus. Für Be- schäftigte, Selbstständige und Ar- beitslose muss es die Möglichkeit geben, eine selbstgewählte Ausbil- dung von maximal 36 Monaten zu absolvieren. In dieser Zeit sollen sie ausreichend finanziell unterstützt werden. Voraussetzungen sind eine fünfjährige Beschäftigung und eine spezielle Bildungsberatung. Solidarische Steuern. Die kom- mende Bundesregierung muss eine sozial gerechte Steuerstruk- turreform in Angriff nehmen. Es geht nicht darum, wieviel Steuern insgesamt bezahlt werden, son- dern wer wieviel bezahlt. Darum fordert die AK, dass die Steuer- struktur reformiert wird. Große Vermögen müssen stärker besteu- ert werden als Arbeit. Eine solche Reform, wie sie auch die OECD und die EU-Kommission empfeh- len, wäre gerecht, würde Arbeits- plätze schaffen und die Wirtschaft ankurbeln. Während die extrem Vermögenden kaum Steuern zah- len, schlägt bei den Beschäftigten die kalte Progression zu. Neben ei- ner Lohnsteuersenkung braucht es daher auch Überlegungen zu einer Abschaffung der kalten Progres- sion. In diesem Zusammenhang fordert die AK, dass die künftige Regierung gerechte Finanzie- rungsmodelle zur Zukunftssiche- rung vorlegt. Noch immer gibt es Schlupflöcher für Konzerne und Steuerdumping. Der Wettbewerb um möglichst niedrige Konzern- steuern und die vielen Steuersümp- fe nützen nur Großkonzernen. Impulse setzen. Das rasante Wirt- schaftswachstum soll sich laut Pro- gnosen einbremsen, was sich auch negativ auf die Arbeitslosigkeit auswirken wird. Die Menschen verlieren ihre Arbeit oder verdie- nen weniger, das bedeutet auch weniger Konsum und dadurch eine zusätzliche Schwächung der Wirt- schaft. Neben den persönlichen Schicksalen ist eine hohe Arbeits- losigkeit auch ein Problem für je- den Staatshaushalt. Die AK fordert daher von der nächsten Regierung ein Beschäftigungspaket, das die negativen Folgen einerWirtschafts­ flaute für die Arbeitnehmerschaft abschwächt. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 2 Richtige Reformen für lebenswerte Zukunft KOMMENTIERT

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