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Qualitative Analyse

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der wörtlichen Transkription das Erfassen des Inhalts durch die Leserin nur sehr schwer möglich

gewesen wäre.

Die letztendliche Auswertung der Interviews erfolgte – in Anlehnung an Flick (1995) – in zwei

Schritten:

In einem ersten Schritt wurde jeder Fall getrennt vertieft analysiert. Basierend auf

diesen Einzelfallanalysen wurde anschließend jeder Fall auf eine Kurzbeschreibung

reduziert.

„Eine solche Einzelfallanalyse enthält eine für das Interview typische Aussage, eine knappe

Darstellung der Person in Hinblick auf die Fragestellung und die zentralen Themen, die sie im

Interview hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes angesprochen hat“ (Flick, 1995).

Aufbauend auf diesen Kurzbeschreibungen wurden in einem zweiten Schritt Gruppen-

bzw. Fallvergleiche angestellt, um so die fallübergreifenden zentralen Punkte

herausarbeiten zu können.

Die derart herausgearbeiteten fallübergreifenden Gemeinsamkeiten wurden vor dem

Hintergrund der durch die online-Befragung gewonnenen Erkenntnisse verallgemeinert. Die so

gewonnenen Ergebnisse werden im nun folgenden Abschnitt präsentiert.

4.2. Ergebnisse der qualitativen Interviews

Die wesentlichen Ergebnisse der qualitativen Interviews kreisen in Ergänzung der Ergebnisse aus

der online-Befragung rund um den Themenblock Relevanz der einkommensabhängigen

Kinderbetreuungsgeld-Varianten für die Väterbeteiligung, Relevanz der Verkürzung der

arbeitsrechtlichen Karenz auf die Väterbeteiligung sowie Relevanz und Effekte der individuellen

Zuverdienstgrenzen. Erkenntnisse hinsichtlich eines allfälligen Wiedereinstiegs bzw. des

Wiedereinstiegsverhaltens der Kinderbetreuungsgeld-Bezieherinnen ergänzen schließlich diese zuvor

genannten Themenblöcke.

4.2.1. Väterbeteiligung

Wenn es um die Frage der Väterbeteiligung geht, dann ist damit vor dem Hintergrund der

Diskussion rund um das Thema Kinderbetreuungsgeld nicht die Frage gemeint, ob sich der Vater

grundsätzlich an der Kinderbetreuung bzw. an der Erziehung des Kindes beteiligt. Vielmehr ist damit

die Frage angesprochen, ob der Vater selbst Kinderbetreuungsgeld bezieht und gegebenenfalls

Karenz in Anspruch nimmt bzw. seine Arbeitszeit auf Grund der Geburt des jüngsten Kindes

reduziert. Aufbauend auf diesem Begriffsverständnis können, basierend auf den Ergebnissen der

quantitativen sowie qualitativen Analyse, folgende Schlüsse gezogen werden.

Zum einen wurde insbesondere durch die Schaffung der einkommensabhängigen Variante eine

Kinderbetreuungsgeld-Variante geschaffen, die auf Grund des durchschnittlich geringeren

Einkommensverlusts die Vereinbarkeit von Beruf und Familien für den Vater aus finanzieller Sicht

erleichtert und damit tendenziell positiv auf die Väterbeteiligung wirkt. In dieselbe Richtung wirkt

auch die Verkürzung der arbeitsrechtlichen Karenz von drei auf zwei Monate und der parallelen