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Anhang

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I: Wie sieht es die Mehrheit?

M: Eher die klassischen, alten Rollenbilder. Der Mann arbeitet und macht zu Hause gar nichts.

I: Der Mann geht arbeiten und die Frau bleibt zu Hause?

M: Nein, nein. Beides. Die Frau geht arbeiten und macht auch die Arbeit zu Hause. Das ist das, was mir ganz

stark auffällt. Auch bei meinen Freundinnen ist es so, dass sie arbeiten gehen, weil sie ihren guten Job sonst

nicht mehr bekommen. Da kenne ich einige aus meiner Umgebung. Der Mann arbeitet auch 50, 60 Stunden,

wie das überall so ist. Die Frau macht zu Hause auch die ganze Arbeit und geht noch in Ihre Arbeit.

I: Sorgt der Stoff für Diskussionen? Jetzt nicht zwischen Ihrem Mann und Ihnen, sondern zwischen Ihren

Freundinnen und Ihnen?

M: Ah, wir reden schon manchmal darüber. Es wird von ihnen meistens sehr negiert, weil sie es

beschwichtigen, dass alles mit den Kindern aus dem Ruder läuft. Die Kinder sind dann nur aggressiv und

folgen nicht mehr. Die Frauen hetzten hinterher. Total gestresst. Es hat schon einmal für Anstoß gesorgt,

wo ich gesagt habe, dass ich gekündigt habe und so nicht mehr mitspiele. Sie haben mich darauf

angesprochen, wie ich das machen konnte und ich meinen Job nicht mehr bekommen werde! Irgendwann

bekomme ich sicherlich wieder etwas, aber das mache ich nicht mehr mit. Jetzt, in dem Moment, geht es

bei mir nicht. Das gesteht sich kaum jemand ein. Ich kenne einen Mann, der auch gekündigt hat, weil er es

nicht mehr so weiter machen wollte. Jetzt geht es bei ihnen auch besser. Natürlich ist es auch eine

finanzielle Frage. Es muss jeder selber wissen, wie er über die Runden kommt. Das gestehen sich nur

wenige ein. Das fällt mir bei dem Kinderbetreuungsgeld auf. Wer hat wirklich das Geld um zu Hause eine

Haushälterin einzustellen? Da war ein ganz toller Artikel im Standard. Es ist um Burnout bei Frauen

gegangen. Wie lange geht das wirklich gut. Es war doch ein Programm im Ö1, glaube ich. Da war ein tolles

Interview von einer Frau, die gemeint hat, dass es schon geht und es nach außen toll aussieht. Sie geht aber

um zwei Uhr in der Früh ins Bett, bis die ganze Hausarbeit erledigt ist. Es fragt sie niemand, wie es ihr dabei

geht. Das bringt es auch genau auf den Punkt. Die Frau zurück in den Job und Karriere hin und her. Was

aber unterm Strich übrig bleibt, wie du als Frau hin und hergerissen bist. Ein Wirtschaftler, weiß den Namen

leider nicht mehr, hat gesagt, dass er lieber eine alleinstehende Mutter zu 50% einstellt, als ein Mann zu

100%. Denn die Mutter macht in diesen 20 Stunden mehr als der Mann in 40 Stunden, und die Frau hat

dabei auch noch ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig tut. Kostet zudem auch weniger. Das bringt es

genau auf den Punkt. Vielen geht es so, aber die wenigsten geben es zu. Ich habe das aber schon gemerkt.

I: Was glauben Sie woran das liegt, dass die Frau so zerrissen ist?

M: Das ist der Erfolgsdruck, den du von der Gesellschaft bekommst Was glauben Sie, wie ich die Frauen vor den

Kopf gestoßen habe, als ich sagte, dass ich gekündigt habe. Ich habe gesagt, dass es mir jetzt wichtiger ist

bei meinen Kindern zu sein. Auch wenn es jetzt zu Hause noch so ruhig ist, als wo ich damals 30 Stunden

gearbeitet habe. Ich merke, dass mich meine Kinder brauchen. Für einen selbst bleibt einfach keine Zeit

über. Für mich ist es jetzt anders. Jetzt habe ich mehr Zeit und kann es mir besser einteilen. Das heißt jetzt

nicht, dass ich auf meinen Job und Karriere verzichten will. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt dafür, weil meine

Kinder noch zu klein sind und mich brauchen. Ich bin auch in der glücklichen Situation, dass ich erst 32 bin

und schon zwei Kinder habe. Die meisten bekommen die Kinder erst mit 36 oder 37 Jahren das Erste. Diese

Frauen haben einen anderen Bezug zu ihren Jobs. Da sehe ich auch die meisten Schwierigkeiten kommen.

Die meisten haben schon Karriere gemacht, sind Mitte 30 und Anfang 40, bis sie ein Kind bekommen.

Wollen aber Familie und Karriere haben und können weder auf das Eine noch das Andere verzichten.

Können aber auch beides nicht unter einen Hut bringen. Die Gesellschaft sagt auch, dass jeder was

beitragen muss, erwerbstätig sein soll und arbeiten, arbeiten und arbeiten gehen soll. Wie das aber unterm

Strich für die Familie aussieht, über das redet man nicht.